Bandscheibenvorfall beim Hund – Hundephysiotherapie in Hagen und im Volmetal
Ein Bandscheibenvorfall trifft viele Halter:innen ohne Vorwarnung. Eben war der Hund noch normal unterwegs, dann will er plötzlich nicht mehr die Treppe hoch, zittert, jault beim Hochheben oder zieht auf einmal die Hinterbeine nach. Manche Hunde wirken nur steif und berührungsempfindlich, andere können von einem Moment auf den anderen nicht mehr richtig laufen.
Der Bandscheibenvorfall ist eine häufige neurologische Erkrankung beim Hund. Anders als beim Kreuzbandriss, der ein Gelenk betrifft, geht es hier um die Wirbelsäule und das Rückenmark – und genau deshalb kann er zum Notfall werden. Ob ein Hund konservativ oder operativ behandelt wird, entscheidet die behandelnde Tierärztin oder der Tierarzt anhand von Schwere, Verlauf und neurologischem Befund. Danach geht es in beiden Fällen darum, den Hund vorsichtig wieder in Bewegung zu bringen, Schonhaltungen aufzulösen und verlorene Muskulatur und Körperwahrnehmung wieder aufzubauen. Hier setzt die Physiotherapie an – auf Grundlage der tierärztlichen Diagnose und, nach einer Operation, mit tierärztlicher Freigabe
Geschrieben von Lena Rummenholl
Hundephysiotherapeutin in Hagen-Dahl. Staatlich examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, seit 2008 in Reha und Pflege.
Hundetrainerin und Hundephysiotherapeutin (DIFT Lünen), Veterinärakupunktur TCVM. Schwerpunkt u. a. auf neurologische Fälle
und Reha nach OP.
Mehr über mich · Zuletzt aktualisiert: Juni 2026
Auf einen Blick
Hier das Wichtigste vorab, damit du nicht erst scrollen musst:
Zuerst das Dringende: Wenn dein Hund die Hinterbeine nicht mehr bewegen kann, plötzlich gelähmt wirkt, auf einen Zwick zwischen die Zehen nicht mehr reagiert oder Urin und Kot nicht mehr halten kann, ist das ein tierärztlicher Notfall. Dann sofort in die nächste Tierklinik, nicht abwarten.
- Ein Bandscheibenvorfall ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Bandscheibengewebe auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln drückt.
- Behandelt wird je nach Schweregrad konservativ (strikte Ruhe, Schmerztherapie) oder operativ – das entscheidet die Tierarztpraxis oder Klinik.
- Nach der akuten Phase kann Physiotherapie den Heilungsverlauf unterstützen: Muskulatur und Körperwahrnehmung wieder aufbauen, Schonhaltungen auflösen, den Hund Schritt für Schritt zurück in den Alltag begleiten.
- Erstanamnese bis zu 90 Minuten, mobil im Volmetal oder am Standort in Hagen-Dahl. Hausbesuche nach Absprache, gerade für Hunde, die nicht ins Auto gehoben werden sollen.
Was ist ein Bandscheibenvorfall beim Hund?
Ein Bandscheibenvorfall ist eine Erkrankung der Bandscheiben, bei der Bandscheibengewebe in den Wirbelkanal vorfällt und auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln drückt. Die Bandscheiben liegen als Polster zwischen den einzelnen Wirbeln und federn Bewegung ab. Verändert sich ihr Gewebe, kann es entweder schlagartig in den Wirbelkanal austreten oder sich langsam vorwölben. In beiden Fällen entsteht Druck auf das empfindliche Nervengewebe.
Genau dieser Druck erklärt die Bandbreite der Anzeichen. Drückt es auf eine Nervenwurzel, steht oft starker Schmerz im Vordergrund. Drückt es stärker auf das Rückenmark, kommen Lähmungserscheinungen dazu, weil die Signale zwischen Gehirn und Hinterhand nicht mehr richtig durchkommen. Deshalb reicht das Bild von einem Hund, der nur steif wirkt und ungern springt, bis zu einem Hund, der die Hinterbeine gar nicht mehr einsetzen kann.
Am häufigsten ist die Brust-Lenden-Region betroffen, also der Übergang vom Rücken zur Hinterhand. Ein Vorfall im Halsbereich kommt ebenfalls vor und zeigt sich oft durch starke Schmerzen, eine steife Haltung und einen Hund, der den Kopf kaum noch bewegen mag.
Welche Hunde besonders betroffen sind – und was „Dackellähme" damit zu tun hat
Manche Hunderassen tragen die Veranlagung für einen Bandscheibenvorfall in sich. Bei kleineren, kurzbeinigen Rassen verändert sich das Bandscheibengewebe oft schon früh im Leben. Dazu zählen Dackel, aber auch Französische Bulldoggen, Möpse, Beagle, Pekinesen und Shih Tzu. Bei diesen Hunden tritt der Vorfall häufig im mittleren Erwachsenenalter auf, oft etwa zwischen drei und sieben Jahren, manchmal ohne erkennbaren Auslöser, manchmal nach einer alltäglichen Bewegung wie einem Sprung vom Sofa.
Weil der Dackel die bekannteste betroffene Rasse ist, hat sich für den Bandscheibenvorfall der umgangssprachliche Name „Dackellähme“ eingebürgert. Gemeint ist damit meist derselbe Mechanismus: Bandscheibengewebe drückt auf das Rückenmark und führt zu Schmerz oder Lähmung der Hinterhand. Der Begriff ist also kein eigenes Krankheitsbild, sondern eine volkstümliche Bezeichnung. Ausführlicher gehe ich darauf auf der eigenen Seite zur Dackellähme ein.
Auch große Hunde können einen Bandscheibenvorfall bekommen. Bei ihnen verläuft er häufiger schleichend: Das Gewebe wölbt sich über längere Zeit vor, die Beschwerden nehmen langsam zu, und der Hund baut nach und nach Hinterhand-Kraft ab. Übergewicht ist in beiden Fällen ein Faktor, den Halter:innen direkt beeinflussen können, weil jedes zusätzliche Kilo die Wirbelsäule zusätzlich belastet.
Woran erkenne ich einen Bandscheibenvorfall beim Hund?
Die Anzeichen hängen davon ab, wo der Vorfall sitzt und wie stark der Druck auf das Nervengewebe ist.
Typisch sind:
- plötzlicher Schmerz, Jaulen beim Hochheben oder bei bestimmten Bewegungen
- steifer, aufgekrümmter Rücken oder ein angespannter, „eingefrorener" Gang
- Unwilligkeit, Treppen zu steigen, zu springen oder hochgehoben zu werden
- Zittern, Hecheln, verändertes Verhalten durch Schmerz
- unsicherer, schwankender Gang in der Hinterhand
- Nachziehen oder Überköten einer oder beider Hinterpfoten – der Stellreflex ist eingeschränkt, die Pfote kippt beim Stand nach vorn oder wird auf dem Pfotenaußenrücken abgesetzt
- im schweren Fall: Lähmung der Hinterhand, der Hund kann nicht mehr aufstehen
Ein Hals-Vorfall zeigt sich oft etwas anders: sehr starke Schmerzen, ein tief getragener Kopf, ein steifer Hals und manchmal auch eine Schwäche, die alle vier Beine betrifft.
Wichtig: Schon der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall gehört tierärztlich abgeklärt, und zwar zeitnah. Je nach Befund zählt jede Stunde.
Wann ist ein Bandscheibenvorfall ein Notfall?
Es gibt Situationen, in denen Abwarten dem Hund schadet. Die Faustregel: Je mehr die Nervenfunktion ausfällt, desto eiliger ist es. Fahre sofort in die nächste Tierklinik, wenn eines davon zutrifft:
- Dein Hund kann die Hinterbeine plötzlich nicht mehr bewegen oder gar nicht mehr aufstehen.
- Der Stellreflex ist ausgefallen – dein Hund stellt eine oder beide Hinterpfoten nicht mehr selbst korrekt auf, sondern läuft auf dem Pfotenaußenrücken.
- Dein Hund spürt seine Hinterpfoten nicht mehr und reagiert nicht, wenn man vorsichtig zwischen die Zehen zwickt.
- Dein Hund kann Urin oder Kot nicht mehr kontrollieren oder setzt auffällig keinen Urin mehr ab.
- Eine zunächst leichte Schwäche verschlechtert sich schnell, innerhalb von Stunden.
In diesen Fällen geht es um die Funktion des Rückenmarks. Wie gut sich ein Hund erholt, hängt unter anderem davon ab, wie schnell er versorgt wird. Eine physiotherapeutische Behandlung ist hier nicht der erste Schritt, sondern kommt erst später, wenn die akute Versorgung abgeschlossen und der Hund tierärztlich freigegeben ist. Ich sage das bewusst klar: Bei diesen Notfallzeichen gehört dein Hund nicht zu mir, sondern sofort in die Klinik.
Diagnose und Behandlungsweg: immer tierärztlich
Ob ein Bandscheibenvorfall vorliegt und wie er behandelt wird, klärt die Tierarztpraxis oder eine neurologisch spezialisierte Klinik. Dazu gehören die neurologische Untersuchung, mit der geprüft wird, welche Nervenfunktionen noch vorhanden sind, und in der Regel eine Bildgebung wie MRT oder CT, um Ort und Ausmaß des Vorfalls genau zu bestimmen.
Auf dieser Grundlage entscheidet die behandelnde Tierärztin oder der Tierarzt über den Weg. Vereinfacht gibt es zwei Richtungen:
Konservativ
Strikte Ruhe, meist über mehrere Wochen und nach Vorgabe der Tierarztpraxis, begleitet von tierärztlicher Schmerztherapie. Der Hund wird in dieser Zeit bewusst eingeschränkt, damit das gereizte Gewebe zur Ruhe kommt. Dieser Weg kommt häufig bei leichteren Verläufen und gut erhaltener Nervenfunktion infrage.
Operativ
Bei stärkeren Ausfällen oder rascher Verschlechterung kann eine Operation nötig werden, die den Druck auf das Rückenmark nimmt. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, entscheidet die Klinik je nach Befund.
Welcher Weg der richtige ist, hängt vom Ergebnis der neurologischen Untersuchung und vom Befund ab und bleibt eine tierärztliche Entscheidung. Die Physiotherapie baut darauf auf, nach einer Operation erst mit tierärztlicher Freigabe.
Auch die Schmerztherapie liegt in tierärztlicher Hand. Gerade in der akuten Phase und nach einer OP gehört die medikamentöse Schmerzbehandlung zur tierärztlichen Versorgung. Die Physiotherapie ergänzt sie, ersetzt sie aber nicht.
Die Reha nach einem Bandscheibenvorfall: Geduld in Phasen
Nach einem Bandscheibenvorfall verläuft die Genesung selten gradlinig. Bei konservativ behandelten Hunden steht am Anfang eine strikt eingeschränkte Ruhephase — meist über mehrere Wochen
nach Vorgabe der Tierarztpraxis. Nach einer Operation sieht das anders aus: Physiotherapie beginnt hier in vielen Fällen deutlich früher, manchmal bereits kurz nach dem Eingriff, sofern der behandelnde Tierarzt dies freigibt. In der frühen Phase geht es nicht um Belastung, sondern um den Schutz des OP-Gebiets, sanfte sensorische Reize, passive Bewegung und die Unterstützung der
Wundheilung.
Gerade nach einer OP gehören Wundkontrolle und, bei Hunden mit Blasenproblemen, die tierärztlich angeleitete Blasenkontrolle in diese Zeit. Das ist anstrengend für Halter:innen, und es ist normal, dass diese Wochen zermürbend sind. Wenn der Hund stabilisiert ist und der Befund es erlaubt, folgt der schrittweise Wiederaufbau. Ein Hund, der wochenlang kaum auf den Beinen war, hat Muskulatur verloren und muss das Gehen oft regelrecht neu sortieren. Hier setzt Physiotherapie an: vorsichtig, in kleinen Schritten und immer am tatsächlichen Stand des Hundes ausgerichtet, nicht an einem festen Kalender.
Oft ist die größte Hürde dabei nicht die Kraft, sondern die Körperwahrnehmung. Ein Hund, dessen Nervenfunktion beeinträchtigt war, weiß manchmal nicht mehr genau, wo seine Hinterpfoten stehen.
Genau daran lässt sich arbeiten.
Was kann Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall leisten?
Physiotherapie heilt keinen Bandscheibenvorfall und ersetzt keine Operation. Sie kann aber – auf Basis der tierärztlichen Diagnose und nach OP mit tierärztlicher Freigabe – verschiedene Bereiche der Rehabilitation unterstützen und den Hund schrittweise begleiten:
- Schmerz reduzieren durch Mobilisation, manuelle Techniken und gezielte physikalische Maßnahmen
- Muskulatur erhalten und schrittweise wieder aufbauen, die in der Ruhephase verloren ging
- Körperwahrnehmung und Koordination schulen, damit der Hund die Hinterhand wieder sicher einsetzt
- Schonhaltungen erkennen und auflösen, bevor sie sich festsetzen und andere Körperbereiche überlasten
- Belastung kontrolliert aufbauen, abgestimmt auf die jeweilige Reha-Phase
Je nach Phase und Befund kombiniere ich manuelle Techniken, kontrollierten Muskelaufbau, gezielte Koordinations- und Gleichgewichtsarbeit, passive Bewegungsübungen, Lasertherapie und – wenn sinnvoll – das Unterwasserlaufband
bei einem Kooperationspartner in Hagen. In der passenden Reha-Phase kann das Unterwasserlaufband hilfreich sein, weil der Hund unter dem Auftrieb des Wassers Schritte üben kann, bevor das volle Körpergewicht auf der Hinterhand lastet. Die Auswahl richtet sich immer nach dem aktuellen Stand des Hundes und der tierärztlichen Freigabe.
Besonders sinnvoll ist physiotherapeutische Begleitung in der Reha nach einer Bandscheiben-OP, beim konservativ behandelten Hund nach Ende der Ruhephase und bei Hunden, die nach einem Vorfall eine bleibende Unsicherheit oder Schwäche in der Hinterhand behalten haben.
Was passiert bei der Physiotherapie nach einer Bandscheiben-OP?
Nach einer Bandscheiben-OP steht eines im Mittelpunkt: eine sichere, kontrollierte Erholung. Zu Beginn schaue ich mir an, wie dein Hund sich bewegt, wie sicher er steht und geht, wo er noch unsicher ist und welche Unterstützung er im Alltag gerade braucht.
Wie die Behandlung aussieht, hängt stark von der Heilungsphase ab. In der frühen Phase geht es um ruhige, schonende Arbeit: zum Beispiel passive Bewegungsübungen, unterstütztes Stehen, vorsichtiges Verlagern des Gewichts und das Wiederfinden einer sicheren Körperwahrnehmung. Später, immer dem Heilungsverlauf angepasst, kommen kontrollierte Gangschulung, gezielte Koordinationsarbeit und langsamer Muskelaufbau dazu.
Ich beschreibe hier bewusst Prinzipien und keine feste Übungsliste, denn welche Übungen für einen Hund passen, lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt von der Art der Operation, vom neurologischen Befund und von der tierärztlichen Freigabe ab. Eine Übung, die dem einen Hund hilft, kann für den nächsten zu früh oder zu viel sein. Der Aufbau wird deshalb individuell zusammengestellt und am tatsächlichen Stand des Hundes ausgerichtet, nicht an einem festen Plan.
Eines ist dabei wichtig: Den besten Erfolg bringt ein ruhiger, strukturierter Aufbau, nicht die schnelle Belastung. Rehabilitation wird nach einer Bandscheiben-OP häufig eingesetzt und gilt in den verfügbaren Studien als gut verträglich. Wie weit ein Hund kommt, ist von Hund zu Hund verschieden. Ich gehe lieber einen Schritt vorsichtiger als einen zu schnell.
Ich binde gern die ganze Familie ein
Was zwischen den Terminen passiert, trägt die Reha mit. Deshalb zeige ich dir und allen, die mit deinem Hund leben, was ihr im Alltag tun könnt: wie ihr ihn sicher hebt, wie ihr das Umfeld rutschfest macht, welche kleinen Übungen nach Freigabe sinnvoll sind und worauf ihr beim Beobachten achten solltet. Vom Kind bis zu den Großeltern darf jede:r mitmachen, der oder die regelmäßig mit dem Hund umgeht. Wenn alle an einem Strang ziehen, kommt der Hund ruhiger und sicherer durch die Reha.
Was du im Alltag tun kannst
Zwischen den Terminen entscheidet sich viel, gerade nach einem Bandscheibenvorfall.
Ruhe ernst nehmen
In der Ruhephase ist konsequente Einschränkung keine Strenge, sondern Behandlung. Springen, Toben, Treppen und wildes Spiel sind genau die Belastungen, die ein gereiztes Rückenmark schlecht verträgt. Halte dich eng an die Vorgaben der Tierarztpraxis.
Untergrund und Umfeld
Rutschfeste Unterlagen auf glatten Böden, eine Rampe statt Sprung ins Auto, kein Treppensteigen ohne Sicherung. Eine unsichere Hinterhand rutscht auf glattem Boden leicht weg, und ein Sturz kann zurückwerfen.
Heben und Tragen
Einen Hund mit Rückenproblemen hebt man so, dass die Wirbelsäule gestützt bleibt, nicht durchhängt. Wie das bei deinem Hund konkret aussieht, zeige ich dir im Termin.
Gewicht und Geduld
Jedes Kilo zu viel belastet die Wirbelsäule zusätzlich. Und: Eine Bandscheiben-Reha ist kein Sprint. Manche Hunde brauchen viele Wochen, bis sie wieder sicher laufen, und Rückschläge nach zu viel Bewegung sind häufiger als Rückschläge durch zu wenig.
Warum Hunde nach einem Bandscheibenvorfall bei mir gut aufgehoben sind
Viele Hunde kommen nicht in der akuten Phase zu mir, sondern dann, wenn die schlimmste Zeit überstanden ist und es ums Wiederaufbauen geht. Manche ziehen noch eine Pfote nach, andere trauen der Hinterhand nicht mehr, wieder andere sind durch Schmerz und Klinikaufenthalt berührungsempfindlich geworden. Auch das ist für mich kein Hindernis.
Manche Hunde bleiben nach Wochen voller Schmerz länger angespannt, als der Heilungsstand erwarten lässt. Sie rechnen bei jeder Berührung am Rücken mit Unbehagen und spannen vorsorglich an, auch wenn der akute Schmerz längst nachgelassen hat. Diese Anspannung hält die Schonhaltung am Leben. Mein Hintergrund aus Pflege und Verhaltensarbeit hilft mir, mit solchen Hunden umzugehen: Ich arbeite so, dass der Hund Berührung wieder als ungefährlich erlebt, bevor ich Belastung aufbaue.
Ich arbeite befundorientiert. Das heißt: Ich behandle nicht „den Bandscheibenvorfall“, sondern diesen Hund, mit seiner Vorgeschichte, seinem aktuellen neurologischen Stand und seinem Tempo. Eine Übung, die einen Hund überfordert, baut nichts auf, sie verfestigt die Schonhaltung.
Fallbeispiel aus meiner Arbeit: Ciwi, Rauhaardackelhündin
Ciwis Familie rief mich am Tag ihrer Operation an. Die Hündin war innerhalb einer Nacht von ersten Ausfällen in eine vollständige Lähmung der Hinterhand übergeglitten. Das MRT zeigte eine akute Bandscheibenextrusion mit starker Rückenmarkskompression, die Klinik operierte noch am selben Tag. Tiefenschmerz war keiner mehr vorhanden – der ungünstigste Ausgangspunkt, den es in der Neurologie gibt. Die Klinik hatte die Prognose entsprechend vorsichtig formuliert und bereits Kontakte für einen Rollstuhl bereitgestellt.
Die Familie wollte es trotzdem versuchen.
Wir begannen in den ersten Wochen mit Massagen, passiven Bewegungsübungen, Elektrotherapie und Akupunktur, und schulten die Familie intensiv in täglichen Übungen zu Hause. Was zwischen den Terminen passiert, entscheidet in solchen Fällen mit. Der Verlauf war langsam: erste Reflexe, dann Schrittversuche im Unterwasserlaufband, dann freies Stehen für kurze Momente.
Nach zehn Wochen lief Ciwi ohne Hilfsmittel. Der Rollstuhl wurde nicht gebraucht.
Das ist kein Versprechen für jeden Fall – der Tiefenschmerz fehlt bei manchen Hunden dauerhaft, und das kann auch nach intensiver Reha so bleiben. Aber es zeigt, warum es sich lohnen kann, den Weg zu gehen.
Mobile Hundephysiotherapie im Volmetal nach einem Bandscheibenvorfall
Mein Standort in Hagen-Dahl liegt zentral im Volmetal – Halver, Schalksmühle, Breckerfeld und Lüdenscheid sind nahezu gleich weit entfernt. Für Hunde, die nach einem Bandscheibenvorfall nicht ins Auto gehoben werden sollen oder denen die Anfahrt schwerfällt, biete ich Hausbesuche im Volmetal und der näheren Umgebung an. Gerade bei Rückenproblemen ist das ein echter Vorteil, weil unnötiges Heben und Erschüttern wegfällt.
Hausbesuche werden persönlich abgesprochen, weil die Anfahrt individuell eingeplant werden muss. Am einfachsten ist es, wenn du mich direkt anrufst, eine WhatsApp schickst (gerne mit einem kurzen Video deines Hundes in Bewegung) oder mir eine Mail schreibst.
Häufige Fragen zum Bandscheibenvorfall beim Hund
Woran erkenne ich einen Bandscheibenvorfall beim Hund?
Typisch sind plötzlicher Rückenschmerz, ein steifer oder aufgekrümmter Rücken, Unwilligkeit beim Springen und Treppensteigen sowie eine unsichere Hinterhand. Im schwereren Fall zieht der Hund die Hinterpfoten nach oder kann nicht mehr aufstehen. Eine sichere Diagnose stellt immer die Tierärztin oder der Tierarzt, meist über eine neurologische Untersuchung und Bildgebung wie MRT oder CT.
Welche Hunde sind besonders gefährdet?
Vor allem kleinere, kurzbeinige Rassen wie Dackel, Französische Bulldoggen, Möpse, Beagle und Shih Tzu, bei denen sich das Bandscheibengewebe früh verändert. Bei ihnen tritt der Vorfall häufig im mittleren Erwachsenenalter auf, oft etwa zwischen drei und sieben Jahren. Größere Hunde können ebenfalls betroffen sein, meist mit langsamerem Verlauf.
Wann ist ein Bandscheibenvorfall ein Notfall?
Wenn dein Hund die Hinterbeine plötzlich nicht mehr bewegt, gelähmt wirkt, seine Pfoten nicht mehr spürt oder Urin und Kot nicht mehr halten kann. Dann zählt jede Stunde, und dein Hund gehört sofort in die nächste Tierklinik. Physiotherapie ist in dieser Situation nicht der erste Schritt.
Muss jeder Bandscheibenvorfall operiert werden?
Nein. Ob konservativ (strikte Ruhe und tierärztliche Schmerztherapie) oder operativ behandelt wird, entscheidet die Tierarztpraxis je nach Schweregrad und neurologischem Befund. Beide Wege brauchen danach einen kontrollierten Wiederaufbau, bei dem Physiotherapie unterstützen kann.
Wann darf mein Hund nach der OP wieder bewegt werden?
Den Zeitpunkt und das Tempo gibt die behandelnde Tierärztin oder der Tierarzt vor. Nach der OP folgt zunächst eine Ruhephase. Erst mit tierärztlicher Freigabe beginnt der schrittweise Bewegungsaufbau, den die Physiotherapie begleiten kann.
Wann ist Physiotherapie nach einem Bandscheibenvorfall sinnvoll?
Sobald die akute Phase überstanden ist und die tierärztliche Freigabe vorliegt. Dann kann Physiotherapie helfen, verlorene Muskulatur und Körperwahrnehmung wieder aufzubauen, Schonhaltungen aufzulösen und den Hund sicher zurück in den Alltag zu bringen. Der Aufbau richtet sich nach dem tatsächlichen Stand des Hundes.
Mein Hund hat seit der OP Probleme mit dem Wasserlassen – ist das normal?
Eine gestörte Blasenfunktion kommt nach einem Bandscheibenvorfall vor und wird tierärztlich betreut, gerade in der frühen Phase. Das sollte weiterhin tierärztlich begleitet werden und gehört nicht in die Physiotherapie. Wenn du dir unsicher bist, frag in der behandelnden Praxis oder Klinik zeitnah nach.
Unsicher, ob die Beschwerden deines Hundes zur Bandscheibe passen?
Manchmal fängt es klein an: ein steifer Rücken, Zögern vor der Treppe, ein Hund, der nicht mehr hochgehoben werden mag. Wenn du unsicher bist, ob dahinter ein Bandscheibenproblem stecken könnte, ist der erste Schritt die tierärztliche Abklärung – bei deutlichen Ausfällen sofort. Steht die Diagnose oder ist dein Hund bereits versorgt, kann eine physiotherapeutische Einschätzung helfen, den nächsten Schritt in der Reha einzuordnen.
Du erreichst mich per Telefon, WhatsApp, E-Mail oder über das Kontaktformular. Die Erstanamnese in Hagen-Dahl kannst du direkt online buchen, Hausbesuche spreche ich gerne persönlich mit dir ab.
Nach einem Bandscheibenvorfall zählt der richtige Zeitpunkt. Melde dich, wenn du wissen möchtest, ob und wann Physiotherapie für deinen Hund sinnvoll ist. Ich beantworte auch kurze Vorfragen, bevor du einen Termin buchst.
Lena Rummenholl
Hundephysiotherapeutin · Hagen-Dahl
Ich bin staatlich examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeite seit 2008 in Reha und Pflege. Mit der Arbeit an Hunden habe ich 2018 begonnen: zuerst die Therapiebegleithundearbeit nach dem Steinfurter Konzept, die meinen Blick für Signale des Hundes in Bezug auf Angst, Abwehr und Stress prägt, danach am DIFT Lünen die Ausbildungen zur Hundetrainerin und Hundephysiotherapeutin sowie die Veterinärakupunktur (TCVM). Reha nach OP, neurologische Fälle und chronischer Schmerz sind mein Berufsalltag, beim Menschen wie beim Hund. Alle Zertifikate und Ausbildungsnachweise können auf Wunsch eingesehen werden.
Zuletzt aktualisiert: Juni 2026
Hundephysiotherapie ergänzt die tierärztliche Behandlung und ersetzt keine veterinärmedizinische Diagnostik, Operation oder Schmerztherapie. Die Inhalte dieser Seite ersetzen keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten Lähmungserscheinungen oder Verlust der Blasen- und Darmkontrolle wende dich sofort an eine Tierklinik.
Quellen:
Die vorsichtige „kann unterstützen“-Formulierung auf dieser Seite entspricht dem Forschungsstand. Physiotherapie nach Bandscheiben-OP ist etabliert, aber der Nutzen hängt stark vom neurologischen Ausgangsstatus ab. Diese Einschätzung stützt sich auf:
- Lewis, M.J., Granger, N., Jeffery, N.D. & Canine Spinal Cord Injury Consortium (CANSORT-SCI) (2020): Emerging and Adjunctive Therapies for Spinal Cord Injury Following Acute Canine Intervertebral Disc Herniation. Frontiers in Veterinary Science, 7:579933. DOI: 10.3389/fvets.2020.579933. PubMed PMID: 33195591.
- Rauber, J.S. et al. (2024): Physiotherapy in the Recovery of Paraplegic Dogs without Nociception Due to Thoracolumbar Intervertebral Disc Extrusion Treated Surgically. Animals, 14(18):2648. DOI: 10.3390/ani14182648. PMC: 11428865.
- Forterre, F. & Lang, J. (2010): Neue Aspekte in der Behandlung des Bandscheibenvorfalls beim Hund: Eine Übersicht. Schweizer Archiv für Tierheilkunde, 152(3), 109–113. DOI: 10.1024/0036-7281/a000027
Zuletzt aktualisiert: Juni 2026